Rechtsextreme
Straftaten steuern auf Höchststand zu
Beim Thema Rechtsextremismus zeichnet sich für das Jahr 2008 eine traurige
Bilanz ab: Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten in Deutschland steuert
nach einem Zeitungsbericht auf einen Höchststand zu.
Bis Ende Oktober
wurden laut "Frankfurter Rundschau" (Samstag) 11928 Delikte mit rechtsextremem
Hintergrund registriert - fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In
den ersten zehn Monaten 2007 waren 9206 solche Delikte gezählt worden.
Dazu gehören Straftaten von Hakenkreuz-Schmierereien bis zu rechtsextremer
Gewalt. Die Daten werden von der Linkspartei-Politikerin Petra Pau monatlich
beim Bundesinnenministerium abgefragt. Ein Ministeriumssprecher sprach von einer
Zwischenaufnahme. Seriöse Betrachtungen könnten erst angestellt werden,
wenn die Zahl für das gesamte Jahr 2008 vorliege. "Wir wollen nichts
dramatisieren, aber auch nichts beschönigen."
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte vor wenigen Tagen selbst
von einer Zunahme der rechtsextremen Gewalt gesprochen und gefordert, gewalttätige
Gruppierungen stärker ins Visier nehmen. Bundestagsvizepräsidentin
Pau wertete die Entwicklung als Beleg dafür, "dass es nicht ausreicht,
bei jedem Anlass, wie zuletzt dem furchtbaren Anschlag auf den Passauer Polizeipräsidenten
(Alois Mannichl) aufgeregt mit den Flügel zu schlagen". Nötig
sei vielmehr eine Länder- und Regierungsressorts übergreifende "Gesamtstrategie".
Die Politikerin forderte darüber hinaus eine "unabhängige Beobachtungsstelle".
Auch der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD),
sprach sich "gegen kurzatmigen Aktionismus" und für eine Gesamtstrategie
aus. In der "Frankfurter Rundschau" forderte er die Bundesregierung
auf, einen Demokratiegipfel einzuberufen, um die Bekämpfung des Rechtsextremismus
zu planen. Edathy: "Es ist egal, ob das die Kanzlerin tut oder der Vizekanzler.
Hauptsache es geschieht."
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck,
sagte laut Mitteilung: "Die Zeit für Symbolpolitik beim Kampf gegen
den Rechtsextremismus ist endgültig vorbei." Die Bundesregierung müsse
eine nachhaltige Strategie entwickeln und zivilgesellschaftliche Initiativen
gegen Rechtsextremismus stärker finanziell fördern.
Unterdessen berichtete das Magazin "Der Spiegel" von einem Machtkampf
um die Führung der rechtsextremen NPD. Gegen den bisherigen Parteichef
Udo Voigt solle Andreas Molau kandidieren, berichtet das Magazin. Darauf hätten
sich die Vorsitzenden der NPD-Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern,
Holger Apfel und Udo Pastörs, geeinigt.
Die Sonderkommission zur Aufklärung des vermutlich rechtsradikalen Mordanschlags
auf den Passauer Polizeichef Mannichl steht nach einem "Focus"-Bericht
vor der Auflösung. Wie das Magazin unter Berufung auf Polizeikreise berichtet,
soll sich eine neue Ermittlungsgruppe, geleitet vom Bayerischen Landeskriminalamt
(LKA), des Falls annehmen. Die LKA-Beamten sollten noch einmal "bei Null"
beginnen und in wirklich alle Richtungen ermitteln. Die 50-köpfige Sonderkommission
hatte auch zwei Wochen nach der Messerattacke auf Mannichl keine relevante Spur
zu dem unbekannten Attentäter.