Freies Wort vom 16.06.2008
Platzverweis
für "Rechtsaußen" in Hildburghausen
Provokation / Bürgermeister Harzer bei NPD-Fußballturnier tätlich
angegriffen
Hildburghausen - Zu einer Auseinandersetzung zwischen rechtsgerichteten Kräften und Bürgermeister Steffen Harzer kam es am Samstag auf dem Leimriether Sportplatz. Dabei wurde Harzer nach eigenen Angaben tätlich angegriffen und musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Er habe noch immer starke Schmerzen, sagte er gestern. Heute werde er gegen den Mann, der dort im Dress des SV Roth auftrat, Anzeige wegen Körperverletzung erstatten, so Harzer gegenüber Freies Wort. Weiterhin werde er prüfen lassen, welche Konsequenzen die Missachtung des von ihm ausgesprochenen Hausverbots durch die Anhänger der rechten Szene habe.
Schon am Freitagabend soll es Hinweise gegeben haben, dass sich in der Nähe Hildburghausens die rechte Szene treffen wolle. Am Samstagmorgen habe sich herausgestellt, dass auf dem Leimriether Sportplatz ein nicht angemeldetes Fußball-Turnier ausgetragen wird, schilderte Harzer. Als Hausherr sei er in Begleitung der Polizei vor Ort gewesen und habe die Leute aufgefordert, den stadteigenen Platz verlassen. Etwa 50 Leute, darunter auch der Kreisvorsitzende der NPD in Hildburghausen, Tommy Frenck, hätten sich dort eingefunden. Autos vorwiegend mit Hildburghäuser Kennzeichen, aber auch aus Sonneberg, Coburg, Suhl, Lichtenfels und anderen Städten habe er gesehen. Beschallungsanlage, Getränke - alles sei für eine größere Schaffe vorbereitet gewesen.
Fünf Mannschaften seien offensichtlich zum Spiel angetreten, zwei in den Trikots des SV Roth und des TSV Blau-Weiß Bedheim, zwei weitere Mannschaften hatten laut Harzer rote bzw. braune Trikots an. Die fünfte habe T-Shirts mit der Aufschrift eines eindeutig rechtsgerichteten Internetversands getragen, mit der Rückennummer 88.
Als der Bürgermeister auf das Spielfeld ging und das Hausverbot aussprach, sei er zweimal mit extremer Gewalt von dem Mann aus Roth "geschubst" worden, so dass er sich nur dank seiner Größe und seines Gewichts noch auf den Beinen habe halten können. Er sei zudem massiv verbal bedroht worden, etwa, dass man ihm beide Beine brechen wolle und "man ihn schon noch kriege", sagte Harzer. Zudem sei eine Spontan-Demo vor seinem Haus für den Abend angekündigt worden. "Wenn die Polizei nicht dabei gewesen wäre, wäre ich jetzt im Krankenhaus, so aggressiv war die Stimmung", sagte Harzer.
Er habe von der Polizei gleich die Personalien des Angreifers feststellen lassen und angekündigt, Anzeige zu erstatten. Gemeinsam mit den Polizeibeamten habe er beratschlagt, ob es sinnvoll sei, eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei anzufordern, um das nicht genehmigte Turnier aufzulösen. "Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, darauf zu verzichten, um eine eventuelle Eskalation zu vermeiden", berichtet Harzer.
Äußerst aggressive Stimmung
Von seiten der Polizei-Inspektion Hildburghausen wollte man sich gestern zu dem Vorfall "aus ermittlungstaktischen Gründen" noch nicht äußern. Wie Harzer sagte, haben die Beamten aber am Samstag um 16 Uhr kontrolliert, ob sich die Versammlung nach dem Spiel auflöst. Das sei geschehen. Auch die angekündigte Demo vor seinem Haus habe nicht stattgefunden, eben so wenig wie das offensichtlich geplante Lagerfeuer am Sportplatz.
Der Hildburghäuser Bürgermeister vermutet, dass die Trikots der Sportvereine von Roth und Bedheim missbräuchlich verwendet wurden. "Ein paar Leute haben die Dinger besorgt und andere haben sie dann angezogen." Er könne sich nicht vorstellen, dass Sportfreunde aus den Vereinen Mannschaften für dieses Spiel gestellt hätten.
Steffen Harzer, der Präsident des FSV Eintracht Hildburghausen ist, war nach dem Zwischenfall auf dem Leimriether Sportplatz zu einer Versammlung des Kreissportbundes zurückgekehrt. Er habe aktuell berichtet und man sei sich einig gewesen, dass die Vorgaben des Landessportbundes zur Ausrichtung der Vereine schnellstens umzusetzen seien.