Freies Wort vom 07.11.2008

Hilfe gegen Rechts im Sport
Thüringer Vereine können politische Unterwanderung verhindern

Suhl – Wenn Thüringer Sportvereine Probleme mit rechtsextremen Vereinsmitgliedern haben, stehen für sie viele Hilfsangebote bereit. Der Thüringer Landessportbund (LSB) und die Mobile Beratung in Thüringen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus (Mobit) haben in einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend in Suhl den anwesenden Sportfunktionären ihre volle Unterstützung zugesagt. Zu dem Themenabend „Rechtsextremismus im Thüringer Sport“ hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen.

Im Vorfeld der Diskussion hatte Katja Fiebiger (Mobit) einen Überblick über zunehmende Aktivitäten von Rechtsradikalen im Breitensport gegeben. So würden Thüringer Sportvereine zunehmend von der rechtsextremen NPD unterwandert. Die Partei wolle sich volksnah geben und ihre Ideologie verbreiten. Zudem seien in Thüringen sogar Sportvereine aus rein politischen Zwecken von Rechtsradikalen gegründet worden, erklärte Fiebiger. Beispiele seien der SV Vorwärts Erfurt, Eastfight Gera und Germania Hildburghausen.

Letztgenannter Verein wurde von NPD-Mitgliedern gegründet. Initiator ist Tommy Frenck, der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Hildburghausen-Suhl. Der Landessportbund distanzierte sich klar von diesem Verein: „Würde Germania Hildburghausen einen Aufnahmeantrag bei uns stellen, dann würden wir diese Leute nicht aufnehmen“, fand der LSB-Vorsitzende Ralf Ulitzsch deutliche Worte. Das sei laut Satzung des LSB möglich.

Keine Chance für NPD-Verein

Darin heißt es, dass der Sportbund nicht für Menschen offen ist, die rassistische, nationalistische oder faschistische Ziele verfolgen. Der entsprechende Paragraf wurde vor zwei Jahren sogar um den Zusatz ergänzt: „Der Landessportbund wirkt Fremdenfeindlichkeit und politischem Extremismus entgegen“.

Keine Aufnahme-Chance also für rechtsextreme Vereine wie Germania Hildburghausen, die somit nicht am offiziellen Ligabetrieb im Fußball teilnehmen dürfen. Doch offenbar bleibt den Hildburghäuser Hobbykickern die Freizeit-Nutzung von Bolzplätzen bisher nur selten verwehrt. Deshalb gab es in der Diskussionsrunde den Ruf nach weiteren konkreten Strategien beim Vorgehen gegen den Rechtsradikalismus. So forderte Uwe Schlütter vom Suhler Sportbund: „Es wäre wichtig, die Nutzungs- und Vergabeordnung für Turnhallen und Sportplätze diesbezüglich zu ändern.“

Man habe genügend Erfahrungen damit machen müssen, dass ein Verein wie Germania Hildburghausen immer wieder versuche, Sportstätten in Südthüringen nutzen zu dürfen. Da es sich um einen gemeinnützigen Verein handle, fehle oft eine rechtliche Grundlage, den NPD-Leuten die Nutzung von Bolzplätzen zu verwehren. So habe es sich erst vor kurzem als sehr schwierig erwiesen, eine von Germania Hildburghausen organisierte Fußballturnier-Veranstaltung in Leimrieth aufzulösen.

Zudem schlug Schlütter eine gezieltere Schulung der Übungsleiter vor, die lernen sollen, rechtsradikale Tendenzen bei Vereinsmitgliedern sofort zu erkennen und dem entgegenzuwirken.

Jenaer Projekt vorgestellt

Darin war er einer Meinung mit den Fanbeauftragten des FC Carl Zeiss Jena, die ihre Arbeit gegen Rassismus in den Zuschauer-Fanblöcken vorstellten und zudem eine bessere Vernetzung der Vereine zum schnelleren Informations-Austausch anregten.

„Jeder Verein kann sich an uns oder an Mobit wenden, wenn er glaubt, ein Problem mit rechtsradikalen Mitgliedern zu haben“, bot der LSB-Vorsitzende Ralf Ulitzsch an. Auslöser dafür war der Vorwurf einer Zuhörerin, die der Zella-Mehliser Wohnsportgemeinschaft „Thüringer Wald“ vorhielt, Mitglieder mit rechtsextremer Gesinnung zu dulden. Doch der ebenfalls anwesende Vereinsvorsitzende Andreas Schmidt sagte, dass er aus diesem Grund bereits den Kontakt zu Mobit gesucht habe.