swr vom 8. Oktober
2007
Wieder NPD-Spendenkonten
bei deutschen Banken
Bundesinnenministerium: Banken sollen "ihrer Verantwortung gerecht werden."
Mainz. Nach jahrelanger
Zurückhaltung unterhalten deutsche Banken zunehmend wieder Geschäftsbeziehungen
zur verfassungsfeindlichen NPD. Informationen des ARD-Politikmagazins REPORT
MAINZ zufolge, führen mehrere private Kreditinstitute wieder Spendenkonten
für die rechtsextremistische NPD.
Das Parteiorgan der NPD, die "Deutsche Stimme", verfügt nach
Recherchen von REPORT MAINZ über ein Geschäftskonto bei der Deutschen
Bank sowie bei der Volksbank Riesa. Der Jahresumsatz der "Deutschen Stimme"
betrug im Jahr 2006 nach eigenen Angaben 1,4 Millionen Euro. Dieser Umsatz wird
erwirtschaftet u.a. durch den Vertrieb von kriegsverherrlichenden CDs, wie zum
Beispiel "Blutrausch", Aufkleber (z.B. "Rudolf Hess - ich bereue
nichts"), Morgensternen, Schwertern und Streitäxten.
Die Dresdner Bank kündigte nach eigenen Angaben ein Konto, nachdem REPORT
MAINZ das Unternehmen damit konfrontiert hatte, dass die NPD darüber seit
Monaten öffentlich Spenden einsammelt.
Professor Georg Borges, Wirtschaftsjurist an der Ruhr-Universität Bochum
erklärt dazu in REPORT MAINZ "Private Banken sind weder verpflichtet
ein Konto zu gewähren, noch eine bestehende Geschäftsverbindung aufrecht
zu erhalten. Private Banken können also Konten der NPD kündigen, mit
normaler Kündigungsfrist. Private Banken in diesem Sinne sind auch Volks-
und Raiffeisenbanken, natürlich auch die Postbank."
REPORT MAINZ hatte bereits im Jahr 2000 die Bankverbindungen der NPD veröffentlicht.
Daraufhin wurden der NPD rund 100 Konten gekündigt. Die Postbank beteuerte
damals, sämtliche Geschäftsverbindungen zur NPD und anderen Rechtsextremisten
beenden zu wollen. Auch Bundesverband der Volksbanken Raiffeisenbanken forderte
seine Mitgliedsbanken auf, keine Konten für Rechtsextremisten zur Verfügung
zu stellen.
Auf Anfrage von REPORT MAINZ legt nun auch erstmals das Bundesinnenministerium
den deutschen Banken nahe, sogenannte "braune Konten" zu kündigen.
Peter Altmeier (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium
sagte dazu in REPORT MAINZ: "Ich würde mir wünschen, dass die
Geschäftsbanken in Deutschland von sich aus ihrer Verantwortung für
die freiheitliche Grundordnung unseres Staates gerecht werden."
Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken (BVR), rät
seinen Mitgliedsbanken, keine Geschäftsbeziehungen mit ultrarechten Parteien
zu unterhalten. Kirsten Bradtmöller vom BVR wörtlich: "Der Bundesverband
empfiehlt seinen Banken, Konten mit rechtsradikalen Organisationen nicht einzugehen
und bestehende Konten zu lösen. Wir sagen: Jedes Konto mit einem rechtsradikalen
Hintergrund ist ein Konto zuviel."
Zu den Banken,
die derzeit Geschäftsverbindungen mit der NPD unterhalten zählen nach
Recherchen von REPORT MAINZ auch:
Postbank Karlsruhe
Postbank Dortmund
Volksbank Riesa eG
Volksbank Lauenburg eG
Volksbank Itzehoe eG
Volksbank Pirna eG
Volksbank Untertaunus eG
Volksbank Überlingen eG
Volksbank Ludwigsburg eG
Raiffeisen Volksbank Neuötting eG
Erfurter Bank eG
Bank 1 Saar eG