Thüringische Landeszeitung vom 26.07.2007

Brauner Sumpf im grünen Herz

Wutha-Farnroda. (ep) Brauner Sumpf mitten im grünen Herzen Deutschlands? Den möchte SPD-Bundestagsabgeordneter Ernst Kranz aus Wutha-Farnroda gern trockengelegt sehen. Im Februar dieses Jahres intervenierte er bei Generalbundesanwältin Monika Harms wegen fortdauernder Aktivitäten der als rechtsextrem eingeschätzten Organisationen "Collegium Humanum" und "Reichsbewegung", die sich auch im Gasthaus "Zur frischen Quelle" in Mosbach einmieten. Ernst Kranz übergab der Ermittlerin Schreiben, Einladungen und Aufrufe, die den Geist der Organisationen belegen und bat sie, tätig zu werden. Damit hatte er Erfolg.

Bei der Bundesanwaltschaft wurde jetzt ein Aktenzeichen angelegt, unter dem Erkenntnisse über die beiden Gruppen gesammelt werden. Ein Ermittlungsverfahren konnte bislang nicht eingeleitet werden, da die Voraussetzungen dafür gegenwärtig noch nicht vorlägen, informierte Ernst Kranz. Monika Harms habe ihm jedoch versichert, dass sie mit den zuständigen Behörden in Kontakt bleiben wolle, um schnell reagieren zu können. Ernst Kranz will die Aktionen der braunen Ideologen weiter genau beobachten und hofft dabei wie bisher auf die Unterstützung vieler Bürger und Institutionen. Sein Ziel ist, dass die Generalbundesanwältin aktiv wird.

"Collegium Humanum" und "Reichsbwegung" werden auch vom Thüringer Verfassungsschutz registriert. Im Monatsbericht vom Oktober 2006 schreiben die Verfassungsschützer: "Vom 14. bis 15. Oktober führte das Collegium Humanum in Mosbach bei Eisenach eine Tagung durch, deren Thema Das Verhältnis von Religion/Weltanschauung zum Staat lautete. Das CH, dessen Sitz sich in Vlotho/Nordrhein-Westfalen befindet, wirkt als Bildungsstätte, die auch von Rechtsextremisten genutzt wird." Auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Fraktion Die Linke im Bundestag vom März 2007 hatte die Bundesregierung bestätigt, dass Protagonisten des Collegium Humanum wie deren Leiterin Ursula Haverbeck-Wetzel wegen Volksverhetzung, unter anderem Leugnung des Holocaust, rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt wurden. Das CH wurde von der Bundesregierung in dieser Anfrage als "rechtsextremistisch" eingestuft. Zu den Referenten der "Reichsbewegung", die im November in der Mosbacher Quelle ein Seminar ausrichtete, gehört auch der als Antisemit bekannte Rechtsanwalt Horst Mahler, wegen rechtsextrem motivierter Straftaten rechtskräftig verurteilt und der Holocaustleugner Bernhard Schaub. In einem Internet-Erlebnisbericht des Seminars in Mosbach zum Thema "Warum wurde das von Adolf Hitler geführte Deutsche Reich von den Westmächten zusammengeschlagen?" schreibt ein Geistesbruder von Mahler, dass das Thema so viele Interessenten gefunden hätte, dass "die Wirtin denn auch wehmütig zahlreiche Teilnehmer an Ausweichquartiere vermitteln musste". Bundestagsabgeordneter Ernst Kranz (SPD). Foto: nh