Thüringische Landeszeitung vom 16.07.2007
Reggaemusik für braune Ohren
Altstadt. (tlz) Reggaemusik klang über die Wiese vor der Staatskanzlei und rein in die Ohren der rund 100 Rechtsextremisten, die zur Kundgebung des NPD-Landesverbandes am Samstag gekommen waren. Die fröhliche Musik drang von der anderen Seite herüber, wo rund 100 Erfurter dem Aufruf des Bürgertisches für Demokratie gefolgt waren - und Gesicht gegen Rechts, gegen dumpfe braune Parolen zeigten. Unter ihnen: Elvira Pennewiß. "Ich bin hier, weil ich das Erstarken der Nazis furchtbar finde. Vor Links wird gewarnt, aber der rechte Rand ist so stark geworden, und noch immer tun ihn zahlreiche Menschen als harmlos ab, reden von ´den paar Spinnern da´", so die 58-Jährige. Sie fühle sich an die Weimarer Republik erinnert, als keiner die aufkeimende Gefahr wahrhaben wollte. "Wenn wir jetzt nichts tun, sind wir in zehn Jahren dort, wo wir zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren." Und so könne sie es auch nicht verstehen, dass zur Kundgebung des Bürgertisches so wenige ihrer Generation gekommen waren. "Die kennen doch von ihren Eltern noch ganz genau die Geschehnisse damals." Angst, Gesicht gegen Rechts zu zeigen, ließe Elvira Pennewiß nicht gelten. "Wenn wir alle zusammen gegen die Nazis etwas unternehmen, muss sich keiner fürchten." Noch viel schlimmer als Angst, finde sie den Spruch: Sollen mal die anderen machen. "Wenn jeder so denkt, wird es kreuzgefährlich."
Auf beiden Seiten ging es ohne größere Zwischenfälle zu. Die Polizei - ebenso ruhig - dominierte die Szene. Da von bis zu 300 Teilnehmern auf NPD-Seite ausgegangen worden sei, so Klaus-Dieter Pohl, Sprecher des Einsatzes, waren rund 800 Beamte im Einsatz - aus Erfurt, Thüringen, Hessen und Bayern sowie von der Bundespolizei. Dieses Großaufgebot sei auch nötig gewesen, um das Internationale Folklorefestival in der Altstadt zu schützen, so Pohl. - Zwei Stunden hielten die Braunen in der prallen Sonne auf dem Parkplatz vor der Staatskanzlei aus, gegen 14.30 Uhr wurden sie in Polizeibegleitung zum Bahnhof gebracht. - Acht Anzeigen gab es: sieben für Rechtsextremisten wegen Volksverhetzung und Verwendung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen sowie eine für einen Teilnehmer der Gegenkundgebung, er hatte gegen das Vermummungsverbot verstoßen.