Thüringer Allgemeine vom 28.08.2007
Sponsoren gehen auf Distanz
Der
Wiederaufbau des weiten Wachhäuschens sollte im September beginnen. Nachdem
im extra gegründeten Verein ein Vorstandsmitglied zum Kreischef der NPD aufstieg,
droht dem Projekt nicht nur der Verlust von Sponsoren.
ERFURT (cc). Am 16. März diesen Jahres trafen sich Erfurter, die sich dafür engagieren wollen, damit das Wachhäuschen vor der Staatskanzlei - und das ausschließlich aus Spenden - wieder errichtet wird. Der in der Runde unbekannte Kai-Uwe Trinkaus, der sich damals in den Vorstand wählen ließ, ist inzwischen aber durch ganz andere Aktivitäten in der Stadt deutlich in Erscheinung getreten. Seit Ende April ist er NPD-Kreisvorsitzender. Nun machen Sponsoren den Rückzieher, wenn dem braunen Spuk kein Ende bereitet wird. Die unerwartete Karriere des Mannes sei zu dem Zeitpunkt nicht zu ahnen gewesen, benennt Vereinsvorsitzender Anselm Räder das Dilemma, in dem er mit seinen Mitstreitern nun steckt. Gleichwohl wolle er, "nach Absprache mit Vorstandsmitgliedern, die greifbar gewesen sind", nicht hinnehmen, dass Trinkaus weiter im Vorstand des Wachhäuschen-Vereins sitzt. Für morgen wurde eine Mitgliederversammlung einberufen, bei der die Mitgliedschaft des rechten Funktionärs explizit auf der Tagesordnung steht; die Abberufung des Vorstandsmitgliedes sei erklärtes Ziel. Wie Räder erklärt, sollen "alle satzungsrechtlichen Möglichkeiten dabei ausgeschöpft" werden.Für Stefan Heerdegen von mobit, der mobilen Beratung Thüringen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, ist das Vorgehen der NPD nicht ungewöhnlich. "Die marschieren ja nicht mit Pauken und Trompeten in die Vereine ein", beschreibt er die Tendenz, dass Neonazis versuchen, sich dort einzuschmuggeln. Besonders problematisch seien ad-hoc-Gründungen, wenn viele Menschen an der ersten Versammlung teilnehmen. Dann sei es einfacher für die rechten Kader, gleich in wichtige Funktionen zu gelangen. Anselm Räder hofft, dass die Mitgliederversammlung eine Entscheidung trifft, die auch von Sponsoren als Zeichen gesehen wird, dass der Verein rechtes Gedankengut nicht toleriert.