Thüringer Allgemeine vom 27.11.2007
Strategien gegen Rechte
Möglichkeiten,
gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit unter Jugendlichen vorzugehen,
untersucht derzeit eine Fachtagung in Weimar.
WEIMAR. Am Anfang der Konferenz stand eine positive Nachricht: Der Rechtsextremismus, so das Fazit des Jenaer Politikwissenschaftlers Prof. Karl Schmitt, hat im Freistaat deutlich an Boden verloren. Mit 15 Prozent ist das Potenzial jener, die rechtsextremes Gedankengut teilen, so niedrig wie noch nie. Dennoch zeigt der diesjährige Thüringen-Monitor, den Schmitt mit weiteren Experten derzeit an der Universität Jena erstellt, deutliche Unterschiede auf. Während antisemitisches Gedankengut und die Verherrlichung des Nationalsozialismus deutlich weniger Rückhalt finden, verharrt die Ausländerfeindlichkeit mit 54 Prozent auf einem hohen Niveau.
Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem die Entwicklung der politischen Kultur kontinuierlich wissenschaftlich untersucht wird. Ausgangspunkt des sogenannten Thüringen Monitors war der fremdenfeindliche Übergriff auf die Erfurter Synagoge im Frühjahr 2000.
Die auf Basis dieser jährlich vorgelegten Studie mögliche gezielte Prävention sei erfolgreich, kommentierte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) die Zahlen. Gleichzeitig warnte er jedoch, die NPD und ihre veränderte Strategie zu unterschätzen. Rechtsextremismus komme nicht mehr so "ungeschminkt wie in der Vergangenheit daher. Die Neonazis machten sich zum Anwalt der "kleinen Leute , sagte Althaus.
Auch Benjamin Bloch, Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, warnte, rechtsextreme Einstellungen als Randerscheinungen zu sehen. Seine Organisation hat in Thüringen unter dem Titel "Perspektivwechsel" ein Pilotprojekt gestartet, das sich an alle wendet, die in der Jugendarbeit aktiv sind. Sie sollen, so der Ansatz, in Seminaren geschult werden, wie sie sich mit rechten Positionen auseinandersetzen können. Diese Auseinandersetzung ist schwerer geworden. "Der Rechtsextremismus kommt nicht mehr gewalttätig daher, sondern auf leisen Sohlen", sagt Prof. Doro Kiesel von der Erfurter Fachhochschule, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Begriffe wie Familie, Arbeit oder Heimat würden gezielt besetzt. Im Rahmen des bis 2009 laufenden Projektes sollen nun gezielt Gegenstrategien entwickelt werden. Harald Kunkel, Leiter der Landesstelle für Gewaltprävention, ist bereits jetzt optimistisch: Jeder, der mit Jugendarbeit zu tun habe, werde mit dem Projekt erreicht. Am Geld wird es nicht scheitern. Der Etat von Kunkels Stelle wurde kräftig aufgestockt.