Thüringer Allgemeine vom 20.09.2007

Unheilvolle Allianz

50 bis 60 Demonstranten auf dem Fischmarkt. Die Einladung zum Protest gegen die Kowo-Abrisspläne am Wiesenhügel kam vom Bürgerrat, das technische Equipment und ein Gesangssolist von den Rechten. Man übte sich im Schulterschluss mit Neonazis.

"Unser Kampf ist national" und "Damit der Wind sich dreht". Die Textzeilen aus dem angejahrten Lautsprecher auf dem Pflaster des Fischmarktes erweckten bei vielen der Passanten gleich ein ungutes Gefühl und man hielt sich nicht lange auf. "Die sind doch total rechts angehaucht", sagt ein älterer Herr, während ein jüngerer Zeitgenosse die drastische Formel "Das kann man sich doch nicht anhören" wählt. Der Bürgerrat zur Rettung des Wiesenhügels hatte zur Demo gegen die Abrisspläne am Wiesenhügel geladen. Und die geriet in erster Linie zur nationalistischen Propaganda-Schau, ge- paart mit persönlichen und allgemeinen Angriffen auf alles und jeden und mit einem Aufruf des selbsternannten Bürgerratsvorsitzenden Ulrich Walluhn zum Generalstreik. Der war sich auch nicht zu schade, den Rechtsextremen Patrick Paul als "nationalen und deutsch-vaterländischen Patrioten" zu loben. Letzterer dankte es ihm auf seine Weise. Mit einer Rede, die in der Feststellung gipfelte, dass die Zeit in der sich ein Volk in links und rechts spalten lasse, vorbei sei. Der sich stetig leerende Fischmarkt sprach eine andere Sprache. Das denkende Publikum hatte sehr wohl den braunen Ungeist gewittert und die Peinlichkeit des Auftritts erkannt. Geschmückt wurde der zu allem Überfluss auch noch von einem Bänkelsänger, der die Bürgerratsgetreuen mit Liedern wie dem "Heideröslein" oder "Unsre Heimat" beglückte.

Unterdessen stellte die Bürgerinitiative (BI) "Der Wiesenhügel muss leben" (nicht zu verwechseln mit dem Bürgerrat) unmissverständlich klar, dass sie Unterstützung von Rechtsextremen kategorisch ablehnt. "Wir reden nicht mit der NPD, anderen Nazis oder deren Tarnvereinen", unterstrich BI-Sprecher Matthias Plhak. Zugleich ließ er wissen, dass weitere 70 Widersprüche gegen die Abrisspläne der Kowo und Stadt am Wiesenhügel im Bauamt abgegeben wurden. Die Einsprüche summierten sich somit auf über 300. Außerdem, so Plhak, seien dem Baubeigeordneten Ingo Mlejnek 2000 Unterschriften überreicht worden, die die BI auf dem Wiesenhügel und in der Innenstadt gesammelt hat.