Thüringer Allgemeine vom 19.09.2007
Schönau: Heute Krisensitzung zur Clubsperre nach Nazi-Vorfällen
WUTHA-FARNRODA. Wie geht es weiter mit dem Jugendclub in Schönau? Welcher Weg führt aus der Sackgasse und macht dennoch klar, dass Neonazi-Parolen in einem Jugendtreff kein Alltagston sein dürfen? TA sprach mit der Arbeiterwohlfahrt, die in Wutha-Farnroda zuständig ist für die Jugendarbeit.
Heute kommt es zu einem Krisentreffen. Beteiligt sind die Gemeinde Wutha-Farnroda, die Jugendbehörde des Wartburgkreises und die Arbeiterwohlfahrt. Bei der Awo ist Barbara Lochner betraut mit der Fachaufsicht für sämtliche Jugendclubs unter Awo-Regie in Thüringen. Aus ihrer Sicht verbietet es sich, den Club nach gewisser Zeit einfach wieder zu öffnen, als wäre nichts geschehen. Dazu sei die Sache viel zu brisant. Schönau sei aber kein trauriger Einzelfall. Von rechtsextremen Vorfällen und Verhaltensmustern wisse die Awo auch in anderen Jugendclubs im Freistaat. Bezogen auf Schönau geht die Awo-Beauftragte mit mehreren Überlegungen ins heutige Gespräch. "Die Jugendlichen müssen verstehen, dass es eben kein Kavaliersdelikt ist, Hakenkreuze auf die Möbel zu malen und Ausländer raus zu rufen." Die Ausreden vom Dummejungenstreich dürften nicht gelten. Dass Bürgermeister Torsten Gieß (SPD) den Club vorläufig geschlossen hat (TA berichtete), hält Lochner für richtig.
Das Abdriften des Schönauer Treffs in ein mehr und mehr rechtes Milieu wirft nach Lochners Einschätzung auch die Frage auf, ob das Konzept der Jugendsozialarbeit im Wartburgkreis kritisch überdacht werden müsse. Das meint insbesondere die Selbstverwaltung der allermeisten Jugendclubs im Kreisgebiet. Das vom Landratsamt vor einigen Jahren durchgedrückte Konzept schaffte viele Betreuerstellen ab. Das spart Geld und überträgt Jugendlichen viele Aufgaben in Eigenverantwortung. Doch was im einen Fall pädagogisch wertvoll sein kann, funktioniert anderswo nicht. "Wo ist also die Grenze zwischen Selbstverwaltung und allein gelassen werden?", fragt sich Lochner.
Im Sozialraum Wutha-Farnroda sind drei Jugendsozialarbeiter tätig (2,5 Stellen). Sie sind zuständig für das Jugendhaus "Crocodile" im Plattenbaugebiet Mölmen. Hinzu kommen vier dezentrale Jugendtreffs in Wutha, Mosbach, im Schlosspark Farnroda und in Schönau. Das "Crocodile" liegt in einem sozialen Brennpunkt und bindet den größten Teil der Arbeitskraft. Das Betreuungskonzept der Awo sieht dennoch vor, dass ein Betreuer einmal pro Woche für mehrere Stunden in jedem der vier verstreuten Ortsteilclubs sein soll. "Einmal pro Woche heißt aber auch, er ist sechs Tage die Woche woanders." Das müsse man offen feststellen, so die Awo-Vorgesetzte Lochner. Ein wirklich enger Kontakt lasse sich so nur schwer aufbauen. Eine Wiederöffnung des Schönauer Clubs kann sie sich nur vorstellen, wenn die Betreuungssituation "deutlich verbindlicher" ist. Was immer das bedeuten mag.
Eines stellt Lochner klar: Die Gemeinde dürfe sich von einzelnen Jugendlichen "nicht erpressen" lassen. Dass die NPD unter Anführung bekannter Neonazis sich überdies zur angeblichen Fürsprecherin der Schönauer Jugendlichen aufschwinge, verkompliziere die Entscheidungslage noch. Es sei aber offensichtlich, dass die NPD eine "geschickte Vermarktung" des Konfliktes für ihre Zwecke im Sinn habe.
Außerdem machte Barbara Lochner aufmerksam, dass rechtsextremistisches Gedankengut nicht allein durch Jugendsozialarbeit bekämpft werden könne. Das sei eine Aufgabe für das gesamte Dorf. Trotz der Konflikte müssten die Jugendlichen einbezogen werden in eine Lösung. "Wir müssen unbedingt ins Gespräch mit ihnen kommen."