Thüringer Allgemeine vom 07.09.2007
Gemeinde
schließt Jugendclub
Die Gemeinde Wutha-Farnroda hat den Schönauer Jugendclub vorerst geschlossen, weil er sich zu einem rechten Treff entwickelt hatte.
Schönau.
(ep) "Dass es auch in Wutha-Farnroda wie im Rest der Republik einen gewissen
Bevölkerungsteil mit unterschwellig vorhandener Rechtsradikalität gibt,
war mir klar. Aber dass sich in Schönau eine rechte Szene dieses Ausmaßes
heimlich etabliert, hat mich dann doch geschockt". Wutha-Farnrodas Bürgermeister
Torsten Gieß hat, nachdem er sich selbst ein Bild gemacht hatte, die Reißleine
gezogen und den Jugendclub in Schönau geschlossen, "bis auf Weiteres".
In den vergangenen Monaten hat sich nach Erkenntnissen von Gieß die
Besucherstruktur im Jugendtreff neben dem Schönauer Backhaus nach und verändert.
Viele der bisherigen Stammgäste kamen nicht, weil der Club auch zu einem
Domizil einer Gruppe anderer Jugendlicher im Alter so von 18 bis 28 Jahren geworden
war. Die stammen aus Schönau selbst, brachten aber auch Freunde vom Mölmen,
aus Sättelstädt und Eisenach mit. Und so wandelte sich der Club, so
Gieß, "zu einer Art nationalistischer Propagandazentrale".
Gieß
schaltete auch die Kriminalpolizei ein, die einige Musik-CD sicher stellte und
die Ersteller einiger kleinerer "Hakenkreuz"-Schmiereien sucht. Andere
womöglich vorhandene Schmiereien, so Eisenachs Kripo-Chef Beyer, seien aber
anscheinend schon vor dem Eintreffen der Kripo-Beamten entfernt worden. Auf den
CD habe man bislang zwar rechte Musik gefunden, aber keine indizierten, sprich
verbotenen Lieder. Die Ermittlungen laufen weiter, aus strafrechtlicher Sicht
stellt sich die Sache aber als kein "großer Fall" dar.
Bürgermeister
Gieß allerdings will handeln, hat die Schließung des Clubs und die
Begleitumstände schon auf die Tagesordnung der nächsten Hauptausschusssitzung
gesetzt. Die Gemeinde hat nicht zu ersten Mal mit dem Thema "Rechte Aktivitäten"
zu tun. In Mosbach treffen sich seit Jahren in einer Gaststätte bundesweit
bekannte Mitglieder der rechten Szene zu Seminaren und Vorträgen. Vor der
Schule in Wutha verteilten Eisenacher Rechte Flugblätter.
Politische Aufklärung
"Das
Strafrechtliche ist die eine Seite, aber wir müssen in der politischen Aufklärung
aktiver werden", findet Gieß. Dazu hofft er die im Gemeinderat vertretenen
Parteien gewinnen zu können. Zudem hofft er, dass man gemeinsam mit dem Kreis,
das Angebot für Jugendliche ausbauen kann. Derzeit gibt es für die Jugendarbeit
in der Gemeinde, auch mit dem "Brennpunkt Mölmen", 2,5 Stellen.
Während der Jugendclub auf dem Mölmen täglich betreut wird, werden
die anderen Clubs der Gemeinde (Wutha, Farnroda, Schönau und Mosbach) von
den Jugendlichen in Eigen-Regie verwaltet.