Thüringer Allgemeine vom 07.07.2007
In letzter Sekunde
Polizei verhindert rechte Attacke gegen linke Kundgebung
Etwa 40 Mitglieder der rechten Szene versuchten gestern Nachmittag, eine angemeldete Kundgebung der linken Szene am Arnstädter Hopfenbrunnen zu sprengen. Die Polizei konnte in letzter Sekunde einen Zusammenstoß verhindern.
ARNSTADT
(TA).
Bereits vor 16 Uhr hatte die Polizei mit einem Mannschaftswagen am Eingang
der Fußgängerzone Position bezogen, die Beamten legen ihre Westen an.
Bald darauf laute Musik am Hopfenbrunnen, wo linke Jugendliche stehen und sitzen
- im Karree eines rot-weißen Absperrbandes. Gegen 16.30 Uhr wird ein Teil
davon wieder entfernt. Die Jugendlichen hätten sich beschwert, dass es wie
in Käfig aussieht, erklärt ein Verantwortlicher der Kreisverwaltung.
Angemeldet war eine Info-Kundgebung, der junge Organisator nennt die Zahl von
50 bis 60 Teilnehmern. Aber es dürften weniger gewesen sein, es sei denn,
man zählt Neugierige und zufällige Passanten mit. Etliche Geschäftsleute
stehen vor ihren Türen und warten, was da kommen wird. Der ältere Herr,
der für die Gärtnerei Gloria Erdbeeren und Kirschen verkauft, wartet
länger vergeblich auf das Auto, das die leeren Körbe abholen soll.
Im
Umkreis des Veranstaltungsortes - in der Zimmerstraße, rechts und links
der Bachkirche - stehen Polizeifahrzeuge, patrouillieren Beamte in Schutzwesten,
Schlagstock und Helm am Koppel. Hinweise verdichten sich, dass eine größere
Zahl Neonazis die Veranstaltung sprengen will. Unklar zunächst, aus welcher
Richtung die Attacke kommen soll. Ein Katz-und-Maus-Spiel bis dahin, so beschreibt
es zu diesem Zeitpunkt Einsatzleiter Thomas Ziegler, der Chef der Polizeiinspektion
Amstadt-Ilmenau. Zumal er nur ein kleines Aufgebot zur Verfügung hat - wegen
des Großeinsatzes beim Thüringentag. Gegen 16.25 Uhr der Hinweis über
Sprechfunk, eine Gruppe nähere sich aus Richtung Papiermühle. Dann geht
es blitzschnell, einige Beamte rennen Richtung Holzmarkt, treffen eingangs der
Erfurter Straße auf die Rechten, die offensichtlich zum Hopfenbrunnen durchbrechen
wollen, können dies im letzten Augenblick vereiteln. "Wir haben denen
den A... gerettet", wird einer der Polizisten später wütend sagen,
als einer der Redner bei der linken Kundgebung die angebliche Tatenlosigkeit der
Polizei bei rechten Übergriffen kritisiert. Am Hopfenbrunnen wird die laute
Musik von Statements über Nazistrukturen, Kritik am Antisemitismus und andere
Themen unterbrochen. Junge Leute verteilen Antifa-Flugblätter, auf denen
sie ihre Ziele erklären.
Auf dem Holzmarkt machen die Nazis vom verbrieften
Recht auf eine Spontankundgebung Gebrauch - ganz "zufällig" haben
sie ein Megafon dabei. Gegen 18 Uhr riegeln zusätzlich angeforderte Polizeikräfte
den Holzmarkt ab. Es erfolgt eine erkennungsdienstliche Behandlung der Rechten,
Daten werden aufgenommen, Fotos gemacht. Da es Widerstand gegen die Polizei gegeben
hat, müssen einige mit Verfahren rechnen, erklärt Einsatzleiter Thomas
Ziegler am Abend.