Thüringer Allgemeine vom 02.08.2007
Falsches Trikot
Seit eineinhalb Monaten ist Daniel Bärwolf zurück in Thüringen. Beim Fußball-Landesligisten Gotha will der Ex-Profi seine Karriere ausklingen lassen. Doch jetzt sieht er sich mit dem Vorwurf konfrontiert, der rechten Szene anzugehören.
ERFURT.
Grund ist ein Foto, auf dem der 34-Jährige Kleidungsstücke trägt,
die in der rechtsradikalen Szene beliebt sind. Wie "Spiegel Online"
berichtete, handelt es sich um ein T-Shirt mit dem Emblem der "Schwarzen
Sonne" und eine Jacke der Marke "Thor Steinar". Aufgenommen wurde
das Bild am 2. Juni, nach dem 6:0-Sieg des VfB Lübeck über Wilhelmshaven.
Bärwolfs Abschied nach neun Jahren in Lübeck.
"Ich habe nach
dem Spiel bestimmt hundert Fotos mit den Fans gemacht", erinnert sich der
beim VfB als "Fußballgott" verehrte Angreifer. Die Bedeutung des
Symbols auf seiner Brust sei ihm "absolut nicht" bewusst gewesen. "Dieses
T-Shirt habe ich mir vor drei Jahren mal im Internet gekauft und schon mehrfach
getragen, ohne dass es Ärger gab", sagt Bärwolf. Und die Jacke?
"Die gehört mir nicht; sie wurde mir umgehangen, weil es nach dem Spiel
kühl wurde."
Dass ihm Kritiker auf Grund dieser Kleidung Sympathien
für rechtes Gedankengut nachsagen, belaste ihn. "Ich bin gerade zurück
nach Thüringen gekommen - und dann so was", versteht er die ganze Aufregung
nicht. Mit der rechten Szene, so Bärwolf, habe er nichts zu tun. Er gehöre
auch keiner rechten Organisation an, stellt Bärwolf klar.
Eine Position,
die der frühere Torjäger des FC Rot-Weiß auch gegenüber seinem
neuen Verein, Wacker Gotha, vertrat. Deshalb sieht der Fünftligist auch keine
Veranlassung, seinen Spieler disziplinarisch zu belangen. Wie Vizepräsident
Holger Gabe in einer Stellungnahme bekannt gab, habe Bärwolf gegenüber
dem Präsidium die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen
und Sympathien für rechtes Gedankengut bestritten.
Aussagen, die auch
der Präsident des Thüringer Fußballverbandes, Rainer Milkoreit,
in einem Gespräch mit den Gothaer Verantwortlichen vernommen hat. Jetzt gelte
es, den im Freistaat bisher einmaligen Vorfall genau zu beobachten. "Denn
der Verband distanziert sich eindeutig von jeglicher Form von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit",
sagte Milkoreit, der auch vom DFB beauftragt wurde, die Geschehnisse zu überprüfen.
Etwaige
Sanktionen wie eine Sperre hat Bärwolf nicht zu erwarten. Bei den Symbolen
handelt es sich nicht um verbotene Zeichen. Doch ein fader Beigeschmack bleibt
trotzdem - ob es sich tatsächlich um Unwissenheit oder Naivität des
einstigen Erfurter Publikumslieblings handelt. Denn plötzlich ist ein 13
Jahre alter Vorfall wieder aktuell. Damals soll der Senegalese Niang (Braunschweig)
von Bärwolf beleidigt worden sein. Dieser bestritt das damals wie heute.
"Ich habe nie jemanden rassistisch beschimpft", so Bärwolf.
Und
eines stehe für ihn auch fest: Das T-Shirt bleibt aus.