Ostthüringer Zeitung vom 28.06.2007
Stiller Protest erfolgreich
Zum
NPD-Informationsstand auf dem Triptiser Markt ist "eigentlich keiner"
hingegangen
Triptis (OTZ/mko). "Entscheidend ist, dass auf die andere Seite eigentlich keiner hingegangen ist", resümierte Hans-Peter Käppel, Vorsitzender der Triptiser SPD, gestern Nachmittag zufrieden. Die Aktion demokratischer Kräfte gegen den NPD-Informationsstand auf dem Triptiser Markt war auch in anderen Hinsichten erfolgreich: Während am NPD-Tisch bis zu zwölf Personen inklusive halbwüchsiger Mädchen standen, hielten sich unter den Schirmen der SPD und PDS ständig zwei- bis dreimal soviele Menschen aus Triptis und Umgebung auf. Das hat Karl Rubal vom NPD-Stand offenbar so beeindruckt, dass er es gleich mit einer Videokamera dokumentierte. Andere Leute blieben allerdings lieber am Rand des Marktes, wo neben dem SPD-Transparent "Unsere Zukunft lassen wir uns nicht von braun verderben" an der ehemaligen Marktschule auch ein anderer Banner deutlich war: "Die Regelschule hat viele Farben, braun ist nicht gefragt."
"Jeder Bürger sollte Farbe bekennen, ich hoffe nur, dass es nicht braun ist", blieb Berthold Steffen (Freie Wähler), Bürgermeister von Triptis, im Ton, als er bei der SPD und PDS vorbeischaute. "Wir müssen etwas tun, dass die nicht wieder an die Macht kommen", nannte die 72-jährige Linkssozialistin Lieselotte Skroblin den Grund ihres stillen Protestes gegen die Neonazis. Gleich mehrere Triptiser befürchteten, dass die Informationsstände erst der Anfang der rechtsextremistischen Aktivitäten im Hinblick auf das Wahljahr 2009 sind. Wegschauen oder "Totschweigen" seien keine Lösungen gegen die "Rattenfänger", wie Klaus Möller (Die Linke) formulierte.
In den NPD-Reihen auf dem Triptiser Markt wurde auf SPD und PDS geschimpft, das Leben in der DDR schöngeredet und dreist behauptet, dass die NPD im Saale-Orla-Kreis "etwa 600 Mitglieder" habe. Sicher war sich aber keiner.