Ostthüringer Zeitung vom 01.12.2007
Weniger Rechtsextreme
Neuer
Thüringen-Monitor zu politischen Einstellung
Gotha (OTZ). In Thüringen sind weniger Menschen rechtsextrem eingestellt. Waren es 2006 noch 17 Prozent, so sank die Zahl in diesem Jahr auf 15 Prozent. Das geht aus ersten Ergebnissen des Thüringen-Monitors hervor, die Prof. Dr. Karl Schmitt von der Friedrich Schiller Universität Jena in Weimar vorstellte. Der Monitor beschreibt seit 2001 jährlich die politischen Einstellungen der Thüringer.
Auch die Anzahl der überzeugten Rechtsextremen sank demnach - von neun Prozent im Jahr 2006 auf sechs Prozent 2007. Dies sei durchaus positiv zu werten und zeige, dass zivilgesellschaftliches Engagement, sowie die Präventions- und Interventionsarbeit verschiedener Institutionen, Vereine und Verbände kleine Erfolge verbuchen können, erklärte Petra Pawelskus, Beraterin bei Mobit (Mobile Beratung in Thüringen für Demokratie - gegen Rechtsextremismus) in Gotha. Dennoch sei es alles andere als beruhigend, wenn immer noch über die Hälfte der Thüringer (54 Prozent; 2006: 53 Prozent) meinen, Deutschland sei in gefährlichem Maße überfremdet und 14 Prozent (2006: 19 Prozent) unter bestimmten Umständen eine rechte Diktatur befürworten. Immerhin noch jeder Zweite sei der Meinung, Ausländer kommen nur hierher, um den Sozialstaat auszunutzen.
"Der NPD dürften die Werte sehr willkommen sein. Schließlich sind in Thüringen 2009 Landtagswahlen und aus ihrer Sicht bietet ein latente und alltägliche fremdenfeindliche Alltagskultur den besten Nährboden, um ihre menschenverachtende Ideologie in der Mitte der Gesellschaft dauerhaft zu implementieren", so Pawelskus. Strategisch bedienten sich die NPD-Funktionäre hier eines Biedermann-Images. "Sobald sich in der Bevölkerung der Eindruck festsetze, dass die NPD auf der politischen Ebene als einzige, die dringlichen Probleme der Menschen aufgreift und diese (scheinbar) angeht, hat die Demokratie endgültig versagt." "Angesichts der Ergebnisse von Entwarnung zu sprechen , so die Beraterin, "würde die Gefahr in hohem Maße unterschätzen .
Gewachsen ist laut Thüringen-Monitor 2007 allerdings die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie. 49 Prozent der Thüringer befürworten diese Staatsform - das sind immerhin elf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.