Junge Welt vom 12.06.2007
Klezmer verboten, NPD-Aktion erlaubt
Heiligenstadt im
Eichsfeld: Ordnungsamt erklärte jüdische Band zum »Sicherheitsrisiko«
Göttingen. Das Ordnungsamt der thüringischen Kommune Heiligenstadt hat den Auftritt einer 16köpfigen Klezmergruppe gegenüber einer NPD-Kundgebung verboten. Zur Begründung hieß es in einem am Samstag zugestellten Behördenschreiben, das geplante Konzert sei ein Sicherheitsrisiko, da es zu Konfrontationen mit Sympathisanten der NPD führen könne. Nachdem der Veranstalter, der SPD-Kreisverband, sich darauf einließ, die Band zu verkleinern und den Auftrittsort von der NPD-Kundgebung weg in eine Fußgängerzone zu verlagern, erteilte das Ordnungsamt dann schließlich doch noch die Genehmigung. Einen Skandal konnte es damit aber nicht mehr abwenden. »Unerhört« nannte der SPD-Kreisvorsitzende Ronny Fritzlar die Einschätzung, Klezmermusik sei ein Sicherheitsrisiko. Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen hält die Erklärung des Ordnungsamtes schlicht für »skandalös«. Man dürfe keine Rücksicht auf Neonazis nehmen und schon gar nicht Angst zeigen, erklärte deren Vorsitzender Wolfgang Nossen. Ordnungsamtsleiter Thomas Hucke verweist seinerseits auf Aussagen der Polizei, sie könne Sicherheit und Ordnung nicht gewährleisten, wenn die Klezmermusiker gegenüber der NPD-Kundgebung aufträten. Es sei allerdings ein Fehler gewesen, dies der SPD schriftlich mitzuteilen und nicht erst das Gespräch gesucht zu haben. Der Kreisverband der Grünen im Eichsfeld verurteilte darüber hinaus das Verhalten der örtlichen CDU und ihres Bürgermeisters Bernd Beck. Die Christdemokraten hatten im Vorfeld mit anderen Parteien und Initiativen zu einem ökumenischen Gottesdienst am Vorabend der NPD-Kundgebung aufgerufen, lehnten es jedoch ab, einen Aufruf zu unterzeichnen, am Samstag in friedlicher und kreativer Weise gegenüber der NPD Gesicht zu zeigen.