Freies Wort vom 29.08.2007
Rechter unterwandert Linksfraktion
LANDTAG
/ Ein mutmaßlicher Rechtsextremer hat sich bei der Landtagsfraktion der
Linkspartei und der SPD-Jugendorganisation eingeschlichen. Der 21jährige
Andy F. arbeitete in beiden Parteien mit, zugleich jedoch unterhielt er Kontakte
zur Erfurter NPD.
ERFURT - Andy F. begleitete erst seit wenigen Tagen die Abgeordneten der Linksfraktion im so genannten "Mentoring-Programm" bei ihrer täglichen Arbeit im Landtag. Der junge Erfurter, der bei seiner Einstellung angegeben hatte, er sei politisch bei der Jugendorganisation der SPD aktiv, war für die kommenden vier Wochen dem Bad Salzunger Kommunalexperten Frank Kuschel zugeteilt. Doch nun musste Kuschel erfahren, dass Andy F. aktives Mitglied im Verein "Alleinerziehende in Not e.V." sein soll. Dieser Verein gilt als Bindeglied zur rechtsextremen Szene. Er wird geleitet vom Erfurter NPD-Kreisvorsitzenden Kai-Uwe Trinkaus und hat seinen Sitz unter der gleichen Adresse wie das örtliche NPD-Parteibüro.
Parteien informiert
Der Hinweis auf die Laus im Abgeordnetenpelz erhielt die Fraktion aus Medienkreisen, nachdem die Szene bereits halb öffentlich über die gelungene Unterwanderung der Linksfraktion gejubelt haben soll. "Andy F. hat die Bekanntschaft zu Trinkaus zugegeben", so eine Sprecherin der Fraktion. Auch habe er einen Sportverein mitgegründet, dem auffällig viele Mitglieder aus der rechten Szene beigetreten sind. "Daraufhin haben wir ihm sofort gekündigt."
Es blieb nicht der einzige Rauswurf für Andy F. Auch SPD und die Jusos haben - alarmiert von ersten Gerüchten - gestern ihre Mitgliederkarteien durchgesehen. "Er war Gast-Mitglied und hat öfter an Juso-Treffen teilgenommen", so der Landesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation Peter Metz. "Mir ist richtig schlecht geworden, als ich das gehört habe."
Für Metz steht fest: "Das war ein gezielter Spionageakt." Schließlich habe Andy F. vor allem im Rahmen von Juso-Kampagnen gegen Rechts mitgewirkt. Politischen Schaden befürchtet er indes nicht. So ärgerlich die Provokation auch sei, im Grunde "handelt es sich doch um rechtsextremes Kindergartentheater. Die Szene rund um die NPD spielt halt ein bisschen Krieg".