Freies Wort vom 21.11.2007
"Haina war geschockt..."
NPD-Aufmarsch
/ Bürger setzten Zeichen gegen Rechtsextreme
Haina - Gemeinde und Kirchgemeinde Haina traten dem Aufmarsch der NPD am Abend des Volkstrauertages mit eigenen Aktionen entgegen, so mit einer Gedenkstunde am Morgen, einem Friedensgebet am Abend und dem Gestalten von Friedensplakaten. Darauf und weitere Hintergründe machte gestern Bürgermeister Martin Höfer ausdrücklich in einem Schreiben an Freies Wort aufmerksam.
Schon nachdem bekannt geworden war, dass die Rechten in Haina ein "Heldengedenken" durchführen wollen, hatte sich der Gemeinderat in einem Schreiben an alle Bürger gewandt, sie über den Anlass informiert und dargestellt, dass die Gemeinde Haina den provokatorischen Auftritt der Rechten nicht verhindern konnte. Die Veranstaltung war beim Landratsamt von der NPD angezeigt worden. Sie brauchte nicht genehmigt zu werden, es wurde lediglich ein Auflagenbescheid erlassen.
Auch wenn die Gesetzeslage für viele Bürger nicht nachvollziehbar ist, müsse das Versammlungsrecht gewährt werden, hieß es. Dass Gemeinderat und mehrheitlich die Einwohnerschaft über den provokativen Aufmarsch der Neonazis empört sind, sei selbstverständlich.
In dem Schreiben hieß es, die Bürger sollten den NPD-Aufmarsch nicht überbewerten, Haina werde kein Ort der Rechtsradikalen. Am besten wäre es, die NPD zu ignorieren und die Leute ins Leere laufen zu lassen. Wer aber ein Zeichen gegen den Aufmarsch setzen möchte, solle dies mit Bedacht tun und nicht provozieren.
Ignoranz und stiller Protest
Am Sonntagmorgen nahm Bürgermeister Martin Höfer während der erstmalig seit dem 2. Weltkrieg in Haina veranstalteten Volkstrauertag-Gedenkfeier erneut Stellung zu der von der NPD geplanten Aktion. Er erklärte: "Die NPD will unseren Kindern bewusst ein verfälschtes Bild vorgaukeln und diesen Tag als Heldengedenktag begehen, damit Krieg und Gewalt verherrlichen. Der ganze Ort ist geschockt, aber auch wachgerüttelt worden. Uns allen, den Familien, den demokratischen Organisationen, der ganzen Dorfgemeinschaft ist bewusst geworden, dass etwas getan werden muss, damit dieses rechte Gedankengut nicht in den Köpfen unserer Jugendlichen und Kinder Platz findet." Ignoranz, Verachtung und stille Proteste seien die richtige Antwort.
In diesem Zusammenhang würdigte Höfer die von Jugendlichen der Gemeinde initiierte Plakataktion und das Friedensgebet der Kirchgemeinde (Freies Wort berichtete am Montag)
Verein kein Befürworter
In einer weiteren Zuschrift an die Lokalredaktion in gleicher Angelegenheit meldete sich gestern Eberhard Gundelwein, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Meiningen, zu Wort. Der Kleintierzuchtverein Haina gehört dem Meininger Verband an.
Gundelwein schreibt, im Vorfeld hätte es im Ort geheißen, der Kleintierzuchtverein Haina befürwortet die NPD-Demonstration. Richtig sei aber, dass der Verein dies nicht tat. Er sei dazu nicht berechtigt. Gleichwohl könnten Parteimitglieder, egal welcher Partei, Mitglied des Kleintierzuchtvereins werden, müssten aber dessen Satzung einhalten. Der Kleintierzuchtverein sei gemeinnützig und hänge sich nicht in die Politik hinein.