Freies Wort vom 08.08.2007
Linke prangert Umgang mit Wehrmachts-Tradition an
SUHL - Wegen eines Wehrmacht-Feldlagers während der 725-Jahr-Feier der Gemeinde Wolfsberg (Ilmkreis), hat sich der Landtagsabgeordnete Frank Kuschel (Linke) mit einer Anfrage an die Landesregierung gewandt. Anlass ist, dass eine "Ortsgruppe Geraberg" in Wehrmachtuniformen und mit Militärfahrzeugen aus der NS-Zeit an der Feier teilgenommen haben soll.
Die parlamentarische Anfrage thematisiere, ob während der Jahrfeier auch Symbole aus der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich gezeigt wurden, teilte Kuschel gestern mit. "Es ist unstrittig - die deutsche Wehrmacht gehört zu dem verbrecherischsten und menschenverachtendsten Teil deutscher Geschichte", so Kuschel. Die Wehrmacht im Rahmen einer öffentlichen Jubiläumsfeier romantisierend als Abenteuerfeldlager zu repräsentieren, sei höchst bedenklich.
Dem CDU-Kreisvorsitzenden und Bürgermeister von Wolfsberg, Georg Juchheim, warf Kuschel vor, als Ausrichter absolut sorglos mit deutscher Geschichte und aktuellen Tendenzen des Rechtsextremismus umgegangen zu sein.
Vorwürfe scharf zurückgewiesen
Juchheim wies die Vorwürfe gestern scharf zurück. Im Rahmen der Darstellung der Geschichte Wolfsbergs vom Bauernkrieg über die napoleonische Fremdherrschaft, den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart seien keinerlei Nazisymbole gezeigt worden, sagte der Bürgermeister. Der Blick in die Historie sei im Vorfeld der Feier gerade im Hinblick auf die Zeit der NS-Diktatur im Gemeinderat und mit der Polizei abgesprochen worden. "Hätte jemand Nazisymbole gezeigt, wäre die Polizei sofort eingeschritten", so Juchheim.
Für die Darstellung der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie des kritisierten Feldlagers habe man eine Interessengemeinschaft aus Neudietendorf bei Erfurt gewonnen. Sofern von dieser Gruppe tatsächlich originale Ausrüstungsgegenstände getragen wurden, seien sämtliche Hoheitszeichen abgedeckt worden, erklärte Juchheim. Eine "Ortsgruppe Geraberg" habe seiner Kenntnis nach nicht an der 725-Jahr-Feier teilgenommen. Er könne aber nicht ausschließen, dass einzelne Mitglieder dieser Gruppe unter den Besuchern des Festes waren.
Unterdessen will Kuschel von der Landesregierung wissen, inwieweit Mitglieder der "Ortsgruppe Geraberg" bereits durch rechtsextreme Straftaten in Erscheinung getreten sind und ob Mitglieder dieser Gruppe für die Freien Wähler Geraberg im Gemeinderat als berufene Bürger tätig sind. (vk)