Freies Wort vom 07.08.2007
Mosambikaner mit Schlägen und Tritten traktiert
RASSISMUS
/ Ein 38-Jähriger Sonneberger mosambikanischer Herkunft wurde am Samstag
in den frühen Morgenstunden offensichtlich Opfer eines rassistischen Überfalls.
Der Mann war, als er das Piesauer Kirmesfestzelt verlassen hatte, von mehreren
Jugendlichen verprügelt worden.
PIESAU/SONNEBERG - Am Samstag gegen 1.30 Uhr wurde der Sonneberger in Piesau von mehreren Jugendlichen angegriffen. "Mit Tritten und Schlägen setzte sich der dunkelhäutige Mann gegen die Faustschläge aus der Gruppe zur Wehr. Er hatte Glück und blieb unverletzt", teilte gestern Saalfelds Polizeisprecherin Cordelia Prillwitz mit. Nun ermittelt die Polizei gegen die Jugendlichen, die den Angriff gestartet haben sollen, wegen Körperverletzung mit möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand hatte der Mann das Piesauer Kirmesfestzelt gerade verlassen, als er von fünf bis sieben Jugendlichen angegangen wurde. "Bisher konnte ein 19-jähriger Täter aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen bekannt gemacht werden."
Die Schlägerei kontrastiert freilich den insgesamt friedlichen und vergnüglichen Verlauf des Festes. Piesaus Bürgermeisterin Angelika Weigel äußerte gegenüber Freies Wort, dass es in der knapp 900 Einwohner zählenden Gemeinde bislang keine fremdenfeindlich motivierten Übergriffe gegen Mitbürger mosambikanischer Herkunft - meist ehemalige Mitarbeiter des Glaswerkes, das in den Wendejahren geschlossen wurde - gab. "Die sind voll integriert." Gleichwohl habe es öfter Anfeindungen von Jugendlichen aus einem benachbarten Dorf gegeben.
Dies ging soweit, dass Weigel bei einer Rocknacht aus Anlass des zurückliegenden Bauernmarktes im Juni selbst einschritt und einem Jugendlichen Hausverbot androhte. "Es gibt natürlich schon Jugendliche im Nachbarort, die der Meinung sind, sie dürften Kinder aus einer Ehe von einer Deutschen und einem Mosambikaner ein bisschen beleidigen." Dies sei unterbunden worden, auch wenn sie sich im Nachgang nicht festlegen möchte, wer den Streit angefangen habe, so die ehrenamtliche Gemeindechefin. Aber: "Man kennt natürlich seine Pappenheimer, die meinen sie müssen Hitler verherrlichen oder mit abfälligen Bemerkungen beleidigen."
"Stunk gemacht"
Ein etwas anderes Bild zeichnete gestern Volker Postler von dem Vorfall. Der Sprecher des Kirmesvereins teilte mit, ihm sei berichtet worden, dass zunächst der Sohn des späteren Überfallopfers "auf dem Festplatz Stunk gemacht hat". Daraufhin habe der Sicherheitsdienst diesen des Platzes verwiesen. Der junge Mann habe dann offensichtlich seinen Vater alarmiert, der wiederum mit "nicht ortsansässigen Jugendlichen aneinandergeraten ist".
Das ganze, so betont Postler, habe sich außerhalb des eigentlichen Kirmestreibens abgespielt. "Dafür hatten wir ja nun eine Security engagiert. Und bei uns ist es ja auch schön ruhig geblieben."
Die Polizei sucht nun Zeugen und bittet um Hinweise zu den Tätern oder zur Tat unter 03671/4530.